
Eine tiefe Stimme findet Gehör
In patriarchalen Gesellschaften können Frauen nur mit
Tricks in Gesprächen mit Männern
bestehen
Von Nadja Pastega
Frauen und Männer reden anders. Und können sich nicht verstehen. Die
Psychologin Elizabeth Mapstone hat für eine Untersuchung über das
Konfliktverhalten von Mann und Frau mehr als 600 Interviewpartner befragt.
Die Ergebnisse sind "kaum zu fassen", wie die Britin bemerkt: "Es ist
schockierend, wie tief die Auffassung verwurzelt ist, Frauen seien zu einem
logischen und rationalen Streit nicht fähig", schreibt Mapstone in ihrem
kürzlich erschienen Buch "War of Words".
Die Erklärung ist einfach: Frauen wollen über die Sprache Nähe
herstellen, während sich Männer über Handlungen und Actions verbünden. Die
kleinen emotionalen Botschaften, die Frauen schicken, werden von den Männern
überhört. Also geben sie mehr von denen, bis der Mann schließlich denkt: Die
ist ja völlig hysterisch.
Unterschiede gibt es auf allen sprachlichen Ebenen. Das beginnt schon bei
der Wortwahl. Während eine gewisse sprachliche "Raubeinigkeit" durchaus ins
Konzept von "Männlichkeit" passt, können die Kolleginnen verbal kaum über
die Schnur hauen: "Der Gebrauch von Kraftausdrücken und Tabuwörtern ist für
Frauen mit bedeutend massiveren sozialen Sanktionen verbunden als für
Männer", weiß die Zürcher Linguistin Angelika Linke. Konkret: Fluchen gilt
als unweiblich.
Bemerkenswerterweise ist auch die Aussprache von Frauen tendenziell näher
an der Standardaussprache als die der Männer. Linke: "Daraus könnte man
schließen, dass sich die Konzepte von Weiblichkeit und guter Aussprache
ergänzen."
Darüber hinaus sprechen Männer im Schnitt lauter und tiefer. Um sich
dennoch Gehör zu verschaffen, griff Margaret Thatcher nach ihrer Wahl zur
Premierministerin zur Selbsthilfe. Durch ein entsprechendes Stimmtraining
senkte sie die durchschnittliche Grundfrequenz ihrer Stimme. Ein weiterer
Trick bestand darin, die Stimme am Ende eines Satzes nicht zu senken. So
konnte Frau Thatcher ungestört ausreden. Eine Ausnahme!
Wie Untersuchungen zeigen, werden Frauen nämlich häufiger und
systematischer unterbrochen als Männer. Andererseits leisten sie mehr
"Gesprächsarbeit": Sie stellen häufiger Fragen, geben mehr verbale und
nonverbale Rückmeldungen und gehen auf Gesprächsthemen der anderen ein.
Demgegenüber haben Männer in Gesprächen in der Regel ganz anderes im
Sinn: Männer beziehen schneller Position, um einen Status zu besetzen. Bei
der Kommunikation geht es ihnen nicht um Nähe, sondern um Macht.
Sollten Frauen das Sprachverhalten der männlichen Kollegen kopieren?
Darauf hat Sprachforscherin Linke auch keine Antwort: "Es
gibt eine Art Teufelskreis. Wenn Frauen typisch weibliches Sprachverhalten
zeigen, wirken sie inkompetent und unsicher. Wenn sie jedoch den männlichen
Kommunikationsstil verwenden, werden sie von ihrer Umgebung schnell als
unweiblich und aggressiv empfunden." |