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Boygirl

Das System, das nur männlich und weiblich kennt, hat ausgedient

Dies ist ein Ausschnitt aus dem Artikel "Boygirl, Boygirl" der Kritikerin Rachel Mattson über den Film "Boys don't cry", erschienen in nerve

[...] In dem losen Verbund sexuell Gleichgesinnter, dem ich angehöre, gibt es einen wachsenden Anteil von Frauen, die eigentlich keine sind. Früher wurden sie als "dykes", als Lesben bezeichnet, heute jedoch nennen sie sich "boi", "man" oder "trans" - das heißt, sie bevorzugen das männliche Personalpronomen.

Und abgesehen von Leuten, die generell etwas gegen Homosexualität haben und für die daher alle gleichgeschlechtlichen Beziehungen einfach "pervers" sind, weiß niemand so genau, mit welchem Begriff man die von diesen Frauen praktizierte Art der Liebe bezeichnen soll.
Was nicht heißen soll, dass sich niemand mit dieser Frage auseinandersetzt.

Während heterosexuelle Feministinnen wie Susan Faludi sich bis heute mit den Brüchen und Umwälzungen im heterosexuellen Männerbild befassen, versuchen lesbische Gelehrte, Folksängerinnen und Filmemacherinnen jeglicher Couleur neue Wege zu finden, sich ihre Männlichkeit zurückzuerobern, über unweibliche Körper zu theoretisieren und in ihnen zu leben. 

Das Geschlecht, meinen sie, ist nichts als eine sprachliche Hilfe, die wir erfunden haben, damit die Menschen vollständige Sätze bilden können. 

Dieses System, das nur männlich und weiblich kennt, sagen sie, hat ausgedient. Das macht Sinn. 

Nur leider weiß ich, bis diese Denkerinnen, Künstlerinnen und Barfrauen sich ein neues System überlegt haben, nicht, welche Pronomen ich benutzen muss, wenn ich über lesbische Liebe spreche, geschweige denn, wie ich meine eigene Identität begreifen soll. Dennoch tut es mir schon gut, zu wissen, dass sie daran arbeiten. [...]

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